Ein Nachruf
Weißer Arbeitsmantel, im Aschenbecher eine angerauchte Pfeife, hinter einem überfüllten Schreibtisch ein mit gepflegtem Schnurrbart und prüfendem Blick, nicht ohne Strenge, sitzender Direktor. Kurzes Händeschütteln, Wünsche für eine gute Zusammenarbeit, und schon war ich Lehrer in BHAS/BHAK Judenburg.
Ich hatte Glück und durfte für die Zukunft einem engagierten, innovativen und freundschaftlichen Kollegium angehören. Der Direktor warf stets ein wachsames und kontrollierendes Auge auf die jungen Lehrer; er besuchte den Unterricht, achtete auf pünktlichen Unterrichtsbeginn und kontrollierte auch die Klassenbücher der jeweiligen Klassenvorstände. Er scheute sich nicht mit Rotstift mangelhaft geführte Klassenbücher zu korrigieren und immer wieder mit Nachdruck auf das korrekte Führen der Klassenbücher hinzuweisen.
Rainers Eltern waren Kaufleute in Judenburg und so verwundert es nicht, dass der Sohn in Innsbruck die Handelsakademie besuchte. Danach in Wien Studium an der Hochschule für Welthandel, das er mit dem akademischen Grad als Diplom Kaufmann abschloss. Bis dahin ein sehr zielstrebiges und konsequentes Leben und so verwundert es umso mehr, dass sich der Absolvent der Hochschule eine Auszeit genommen hat, in der er ein Jahr lang quer durch Europa reiste, dazwischen immer wieder kurz gearbeitet hat, um sich so die Weiterreise finanzieren zu können.
Rainer war Liebhaber der Oper, öfters besuchte er mit Gattin die Wiener Staatsoper (gerne Puccini). Der Direktor einer kaufmännischen Schule schrieb auch Kurzgeschichten, mit denen er an Schreibwettbewerben teilnahm. Einmal schenkte mir Rainer eine Kassette mit Gedichten von Rilke, gesprochen von Oskar Werner. Eine Seite von unserem Chef, die wir so nicht vermutet hätten.
Nach der ersten Matura 1978 wurden HAK und HAS vom Bund übernommen, und Rainer Gallob wurde zum Leiter der Schule bestimmt. Nun waren die 80er und 90er Jahre von vielen Herausforderungen geprägt: der PC hielt Einzug in die Schule, neue Lehrpläne und Unterrichtsmethoden wurden notwendig, Lehrer mussten für die Anforderungen ausgebildet werden. Unter der Leitung von Dir. Gallob gelang es, die IT-HAK (HAK für Informationstechnologie) aus der Taufe zu heben, in den Jahren 1990 bis 1996 wurde der Kurs M&O (Management und Organisation) angeboten, um den Bedarf für das mittlere Management in der Region zu unterstützen, internationale Verbindungen im Ausland wurden gesucht, Elternsprechtage und Tage der offenen Tür mussten effektiver geplant und organisiert werden.
Rainer war wohl kein großer Redner und so manche Konferenz hätte strukturierter sein können, doch sein kollegialer Führungsstil entschädigte für so manches, der Direktor war immer gesprächsbereit und offen für neue Ideen. stets förderte er Engagement und Einsatz seiner Kolleginnen und Kollegen. Viele Ideen wurden auch in informellen Gesprächen und Diskussionen geboren, gerne trank man dabei ein Glas Wein und besprach nicht nur schulische Themen sondern hörte auch aufmerksam den Expertisen des Weinkenners Gallob zu. Daraus entstand bis heute eine freundschaftliche Runde, der Rainer solange wie möglich angehörte und dabei immer wieder mit edlen Weinen aufwartete.
Die Zeit der Pension verbrachte Rainer gerne in seiner „zweiten“ Heimat an der oberen Adria. Oft verweilte er Wochen in Italien, genoss die italienische Küche und die herrlichen italienischen Weine. Ein wichtiges Anliegen war ihm das Wohl seiner Familie, besonders rührend kümmerte er sich um die Enkelkinder, die wohl seine Freude und sein Stolz waren.
Rainer war ein liebenswerter, aufrichtiger und wohlwollender Freund, den wir alle, die wir uns seine Freunde nennen dürfen, sehr vermissen werden.
johrei

